53.300 Tonnen Beton und Zement, 2.325 Tonnen Stahl – Das Rathaus in Marl

Der Rathauskomplex der Stadt Marl ist im Kontext seiner Entstehung und der an ihn gestellten Ansprüche ausgesprochen außergewöhnlich. Nachdem die Einwohnerzahl Marls nach dem Zweiten Weltkrieg sprunghaft von 52.000 im Jahr 1945 auf über 83.000 im Jahr 1957 angestiegen war, zeichnete sich ab, dass der Neubau eines größeren Rathauses notwendig wurde. 1958 lobte man unter zwölf zum Teil international bekannten Architekten einen Wettbewerb für ein neues Rathaus aus. Unter den Teilnehmern waren Rudolf Schwarz, Hans Schwippert, Hans Scharoun, der Finne Alvar Aalto und der dänische Architekt Arne Jacobsen, der später das Rathaus in Castrop-Rauxel entwarf.
In den Wettbewerbsunterlagen hieß es: „Das Rathaus soll als beherrschende Dominante mit den in der Stadt bereits vorhandenen und in den nächsten Jahren geplanten öffentlichen Gebäuden der Stadt ihr Gesicht geben […].“. Die Dominanz, so erläuterte Konrad Rühl als Vorsitzender des hochkarätig besetzten Preisgerichts, könne nicht „[…] in der horizontalen oder vertikalen Erstreckung gesucht werden. Das Dominante muß in der unverwechselbaren Einmaligkeit und in der Ausdrucksfähigkeit liegen.“
Durchsetzen konnte sich der Entwurf der niederländischen Architekten Bakema und van den Broek. Er stellte eine von ihnen so genannte „Stadtkrone“ dar. Ihren Vorstellungen zufolge sollte sich die noch zu planende Stadtmitte in niedrigerer Bauweise um den Rathauskomplex entwickeln, der frei von jeglicher Monumentalität und als offener Bau Ausdruck der demokratischen Stadtgesellschaft werden sollten.
Der vielteilige Bezirk besteht aus mehreren flachen Baukörpern und zwei von ursprünglich vier geplanten Hochhaustürmen. Diese Türme lagern als Hängekonstruktionen auf einer geringen Fundamentfläche, die als ideale Lösung für bergbaugeschädigte Regionen erachtet wurde. An einem geschlossenen Betonkern sind die einzelnen Geschosse abgehängt.
In den Türmen befinden sich die Büros der Verwaltung. Im angrenzenden flachen Gebäudeteil ist im Obergeschoss der Ratssaal untergebracht. Das Erdgeschoss und der ehemalige „Ratskeller“ beherbergen das Skulpturenmuseum Glaskasten. Die Verwendung edler Materialien im Innenraum zeugt vom ästhetischen Anspruch des Bauherrn ebenso wie vom damaligen Reichtum der Stadt.
Der vorgelagerte Creiler Platz ist durch Wasserbecken, einen Uhrenturm und Bänke gestaltet.

Daten und Fakten

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