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Grüne & Rat & Stadtverband & Standpunkt » Bebauungsplan Nr. 224 Ehem. Jahnstadion und Waldschule
26Jan

Bebauungsplan Nr. 224 Ehem. Jahnstadion und Waldschule

Unsere Fraktion hat sich schon in der Vergangenheit deutlich positioniert. Wir sind NICHT gegen die Bebauung des Jahnstadions und würden eine Sanierung der alten Waldschule ausdrücklich begrüßen!
Warum wir aber diesen Bebauungsplan ablehnen möchten wir dennoch erklären.

Die Kernaussage unserer Begründung ist folgende:
Die zunehmende Bebauung und Versiegelung im Plangebiet erhöht sich von derzeit 0,81 ha auf zukünftig 2,27 ha.
20% der Laubwaldbestände und 106 Eizelbäume werden MIT SICHERHEIT fallen!

Zuerst möchten wir auf den Umweltbericht der Landschaft und Siedlung AG eingehen
Dort ist folgendes zu lesen:

Beim Schutzgut „Menschen“ besteht eine hohe Empfindlichkeit für die Wohnnutzungen und Gemeinbedarfsflächen im Umfeld gegenüber zusätzlichen Immissionen. Die Waldflächen und gehölzgeprägten Grünflächen weisen eine hohe bis sehr hohe Bedeutung für Freizeit- und Erholungsaktivitäten auf.
Die Aussagen beim Schutzgut Menschen (Aspekt Erholung und Freizeit) treffen sinngemäß auch beim Schutzgut „Landschaft“ zu.
Die alten Laubwälder und der alte Baumbestand haben nach der Biotoptypeneinstufung eine hohe bis sehr hohe Bedeutung für das Schutzgut „Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt“.
Schutzgüter „Boden“, „Wasser“ und „Klima/Luft“
Erhöhte Empfindlichkeiten bestehen hinsichtlich der im Ostteil kleinflächig vorkommen schutzwürdigen Böden sowie hinsichtlich der alten Gehölz- und Waldbestände, die grundsätzlich eine besondere Bedeutung für die Belange des Klimaschutzes und der Klimafolgenanpassung aufweisen.
Weiter heißt es;
Erhebliche planbedingte Auswirkungen ergeben sich durch die zusätzliche Versiegelung und Überbauung, die Flächeninanspruchnahme von Wald- und Grünflächen und den Verlust von altem Baumbestand.

Darauf wird wie folgt näher eingegangen;
Beim Schutzgut „Menschen (Aspekt Freizeit und Erholung)“ ergeben sich durch den Verlust von öffentlich zugänglichen, waldgeprägten Grünflächen (ca. 0,85 ha) hohe Auswirkungsstärken.
Konfliktschwerpunkte beim Schutzgut „Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt“ und „Klima/Luft“ ist der Verlust von alten Laubwaldbeständen (0,74 ha) ((20% von den vorhandenen 3,5 ha)) und von 106 Einzelbäumen auf Grün-/ Freiflächen im Umfeld des Stadions. Die Auswirkungsstärke ist hoch.

Dabei sollen die entnommenen Waldflächen nicht mal in Marl wieder aufgeforstet werden, sondern in Haltern. Lediglich die 106 entnommenen Bäume von Grünflächen werden in Frentrop kompensiert.

Dann haben wir noch nicht einmal alle erforderlichen Informationen;
Auf folgende Schwierigkeiten und Defizite bei der Erstellung des Umweltberichtes ist hinzuweisen:
– Kenntnislücken bestehen hinsichtlich der im Gebiet vorhandenen Altablagerungen.
– Das Fachgutachten Entwässerung liegt derzeit noch nicht in vollständiger finaler Fassung vor.
– Die Betroffenheit von Straßenbäumen außerhalb des Bebauungsplangebietes wird derzeit noch geprüft.
– Aussagen zu Grundwasserverhältnissen und mögliche planbedingte Auswirkungen sind noch zu ergänzen.

Wenn der Investor seinen Worten Taten folgen lässt, entscheidet er sich für Variante 2 (Seite 50 im Umweltbericht) bei der KEIN Wald zerstört wird.

Aus dem Papier B e g r ü n d u n g zum Vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 224
„Ehem. Jahnstadion und Waldschule“ der Stadt Marl ist folgendes zu entnehmen;

Städtebauliches Ziel für die Entwicklung des Plangebietes ist die Schaffung von neuen, attraktiven Angeboten im Mehrfamilienhaus-Segment. Das neue Wohnquartier soll in seiner Gesamtkonzeption hochwertig entwickelt werden. Die umgebenden waldartigen Strukturen bilden hierfür einen entsprechenden Rahmen.
Nur blöd dass diese waldartige Struktur hier zerstört werden soll.

Zum Landschaftsplan wird folgende Aussage getroffen;
Für den Bereich des Jahnstadions und der angrenzenden Waldflächen stellt der Landschaftsplan Vestischer Höhenrücken (Kreis Recklinghausen 2012) das behördenverbindliche Entwicklungsziel „Erhaltung der Freiraumfunktionen der städtischen Grünzüge“ (Nr. 4.4 I.III) dar.

Stichwort Waldfunktionskarte
Nach der Waldfunktionskarte weisen die Waldflächen im Umfeld des Jahnstadions Erholungs-, Klimaschutz und Sicht- bzw. Immissionsschutzfunktionen auf. Also ist das Märchen vom „Hundeklo“ doch zumindest aus fachlicher Sicht wiederlegt.
Noch ein Fakt den wir beseitigen wenn wir diesem Bebauungsplan zustimmen;

Der zusammenhängende Waldbereich Am Jahnstadion geht unmittelbar südwestlich der Hülsstraße
in die öffentliche Grünanlage „Gänsebrinkpark“ und in den Freien Landschaftsraum der Loe-Auen über.

Unter Bebauung / Gestaltqualität Hochbau und Freiflächen lesen wir;
Durch die geplante Bebauung wird sich der Charakter der verbleibenden waldgeprägten Grünfläche ebenfalls verändern. Zukünftig wird die bis zu 4-geschossige Bebauung des relativ kompakt bebauten Wohnquartieres prägend in Erscheinung treten. Ist es das was wir für diesen Standort wollen? Ist es das was die Hülser wollen?

Ein Fazit gibt es ja auch in diesem Papier:
In Teilbereichen ergeben sich deutliche planbedingte Auswirkungen, die wegen der Wald- und Freiraumverluste dem Entwicklungsziel „Erhaltung und Optimierung“ nicht entsprechen.
Und wie vertuscht man alle Tatsachen die sich ergeben? Mit einer plumpen Aussage;
Der Verlust des grünflächen- und waldbestimmten Charakters in Teilen des Plangebietes wird multifunktional im Rahmen der Eingriffs-Ausgleichs-Bilanz kompensiert.

Überwiegt die Notwendigkeit neuen, attraktiven und hochpreisigen Wohnraum zu schaffen hier wirklich in seiner Dringlichkeit, als dass wir all diese Argumente gegen den aktuellen Plan ignorieren können? Wir sagen NEIN.

Text: Daniel Schulz (Stadtverbandvorsitzender, Sprecher im Stadtplanungsausschuss)

Verfasst am 26.01.2018 um 12:21 Uhr von .
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