Das Märchen vom pflegeleichten Schottergarten – im Ernstfall kann es teuer werden!

Ein grüner, bepflanzter Vorgarten ist bei den Deutschen immer noch beliebt, geht aus einer aktuellen repräsentativen Marktforschung der Gesellschaft für Konsumforschung e.V. (GfK) hervor

Ein grüner, bepflanzter Vorgarten ist bei den Deutschen immer noch beliebt – auch wenn das Phänomen der tristen Schottergärten hierzulande immer mehr zu beobachten ist. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Marktforschung der Gesellschaft für Konsumforschung e.V. (GfK) hervor, die der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL) im Rahmen seiner Initiative „Rettet den Vorgarten“ in Auftrag gegeben hatte. Demnach besitzen fast vier von zehn Deutschen einen Vorgarten. 84% der deutschen Vorgärten sind begrünt und bepflanzt, 16% der Vorgärten in Deutschland sind dagegen größtenteils versiegelt, das heißt, gepflastert oder mit Kies und Schotter bedeckt.

Pflegeleichtigkeit ist das Hauptmotiv für versiegelte Vorgärten

Als Hauptmotiv für einen versiegelten Vorgarten geben 80% aller befragten Kiesgartenbesitzer Pflegeleichtigkeit an. Besonders Männer (88%) sind der Meinung, dass mit Steinen oder Kies abgedeckte Flächen dauerhafte und leicht zu pflegende Lösungen ohne großen Arbeitsaufwand sind. Daher erhoffen sich auch 46% durch einen Kiesgarten entweder mehr Freizeit oder scheuen sogar die Pflege eines bepflanzten Vorgartens, was gerade auch von Menschen im fortgeschrittenen Alter als Beweggrund aufgeführt wird. 57% der Frauen, die einen versiegelten oder zu großen Teilen versiegelten Garten haben, argumentieren hingegen mit Ästhetik und bezeichnen Schottergärten als zeitgemäß und modern. Beinahe die Hälfte der Befragten (47%) geben an, dass sie im gepflasterten oder kiesbedeckten Garten einfacher zusätzlichen Stellplatz für Fahrrad, Mülltonne oder Auto schaffen können.

Wer hofft, nun Ruhe zu haben, der irrt:

Sterile Steinwüsten seien alles andere als pflegeleicht: „Abgesehen davon, dass Schotterflächen perfekte Müll-Sammler sind, bieten sie in Nischen und Lücken voller Staub und Unrat perfekte Keimbedingungen für Samen, die durch die Luft angeflogen kommen.“ Eine weitere „Pflegefalle“ seien Wurzelunkräuter wie Quecke oder Acker- und Zaunwinde, die sich im Boden befunden haben oder auch von oben her durch ein Unkrautvlies keimen. Sie fühlen sich, ganz ohne Konkurrenz, auf den heißen Schotterflächen sehr wohl und breiten sich munter aus. Während Disteln, Löwenzahn, Ahorn oder Birke im Garten und in normalen Beeten meist leicht entfernt werden könnten, sei das im Schotter praktisch unmöglich oder nur mit enormem Aufwand verbunden.
„Wer nun denkt, dass er ja spritzen kann, der irrt“

Schotterflächen gelten als versiegelte Flächen und auf diesen sei der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln strengstens verboten. Verstöße gegen das Pflanzenschutzgesetz können mit Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.
Oft müssten Flächen schon nach wenigen Jahren komplett saniert werden – wenn vorher nicht bereits die Gemeinde eine Rückbauverfügung wegen unzulässiger Versiegelung erlassen habe. Denn nichts anderes stellten diese „Vorgärten“ nach den Landesbauverordnungen dar.

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