Marler Mietproblemen auf der Spur

Marler Zeitung 14.01.12, Robert Klose:

Marler Mietproblemen auf der Spur

Was es heißen kann, Mieter eines so genannten „neuen Finanzinvestors“ zu sein, bekommen viele Bürger tagtäglich zu spüren: Häuser verkommen, Heizungen streiken, Wände nässen durch, Ansprechpartner sind kaum zu finden. Das ist jetzt auch Thema für eine Enquete-Kommission des Düsseldorfer Landtages. Sie stellt ein halbes Dutzend Fallstudien an, unter anderem in Marl.

 

„Wohnungswirtschaftlicher Wandel und neue Finanzinvestoren auf den Wohnungsmärkten in NRW“ – so lautet der  Titel der Kommission, die im Februar 2011 vom Düsseldorfer Landtag eingesetzt wurde. Zwei Jahre lang soll sie überfraktionell arbeiten, bildet in ihrer Besetzung die Mehrheitsverhältnisse des Parlamentes ab und erstattet eben diesem am Ende Bericht.

Was in diesem Bericht 2013 stehen wird, könnte für Zündstoff sorgen, das kündigt sich schon jetzt an. Den Vorsitz der Kommission hat Daniela Schnecken (Anm. Daniela Schneckenburger) übernommen. Sie ist im Landtag wohnungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Und sie gab bei einem Informationsbesuch in einer Experten-Runde der Marler Stadtverwaltung zu erkennen, worum es in dem Bericht gehen könnte: um einen Vorstoß, private Konzerne notfalls auch zu enteignen, wenn sie Häuser und ganze Siedlungen einfach verrotten lassen.

Sechs Städte haben die Kommissionsmitglieder ausgesucht, um von Gutachtern untersuchen zu lassen, welche Folgen es hat, wenn Drittkonzerne in hoher Konzentration Wohneigentum übernehmen mit dem ausdrücklichen Ziel, hier kurzfristig Renditen zu optimieren und in zweistellige Höhen zu treiben. Wie sind die Experten nach Marl und dann auf Drewer-Süd als Untersuchungsobjekt gekommen?  Die Stadt ist den Enquete-Mitgliedern aufgefallen, weil hier der Anteil von Wohnungen im Eigentum neuer Investoren der höchste im ganzen Lande ist, berichtet Kerstin Jochimsen, wissenschaftliche Referentin der Kommission. Zudem, so Stadt-Vertreter, sei dies der Stadtteil mit der ältesten Bevölkerung Marls (jeder Vierte ist mindestens 65). Die Einwohnerzahl dieses Viertels schrumpfe schneller als die in jedem anderen.

Seit Dezember arbeiten die beauftragten Büros, auch in Drewer-Süd, an ihren Fallstudien. Bis April soll die Untersuchung abgeschlossen sein, so dass die Kommission dem Landtag 2013 berichten kann. Anschließend soll auch die Stadt und die interessierte Öffentlichkeit erfahren, was Forscher und Politiker herausgefunden haben und für die Zukunft empfehlen.

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