Neubau einer Trauerhalle auf dem städtischen Hauptfriedhof

Die Stadt Marl hält als Friedhofsträger derzeit auf vier Friedhöfen Leichen- bzw. Aufbewahrungshallen vor, die baulich mit Trauerräumen verbunden sind:
• Hauptfriedhof, Sickingmühler Straße
• Friedhof Hamm
• Friedhof Hochstraße
• Friedhof Polsum.

Eine gesetzliche Verpflichtung, auf jeden Stadtteilfriedhof eine Leichenhalle vorzuhalten, besteht grundsätzlich nicht. Größere Friedhöfe – wie insbesondere der Hauptfriedhof – müssen jedoch nach herrschender Rechtsauffassung über Aufbewahrungsmöglichkeiten mit entsprechenden Kühlfächern und Kühlzellen verfügen. Auch sollten dort Räumlichkeiten vorgehalten werden, die die Trauergemeinde für Beerdigungsfeierlichkeiten
zur Abschiednahme nutzen kann.
In dem Gebäudekomplex auf dem Hauptfriedhof sind vier Leichenzellen, zwei Kühlzellen, Unterkünfte für die Friedhofsmitarbeiter*innen, Toilettenanlagen und die Trauerhalle mit Nebenräumlichkeit integriert. Vier Garagen, die ebenfalls als Abstellräumlichkeiten genutzt werden, sind im direkten Umfeld angeordnet.
Während der Hauptteil des Gebäudes im Jahre 1974 als „Provisorium“ erstellt wurde, erfolgte 1986 ein gebäudlicher Anbau mit zwei Kühlzellen und Umkleide/ Aufenthaltsräumen für Bestatter*innen.
Die Baulichkeiten sind zwar noch in einem funktionalen Zustand, die als „Provisorium“ errichtete Trauerhalle entspricht jedoch weder vom äußeren Erscheinungsbild noch von der Ausstattung und der Bausubstanz den zu erwartenden Anforderungen. Instandsetzungs- und Sanierungsarbeiten mussten hier über viele Jahre auf ein Mindestmaß reduziert werden. Lediglich die Bestuhlung, Beleuchtung und Beschallungsanlage sowie der Innenanstrich wurden in den letzten Jahren erneuert.

Insgesamt besteht nachfolgender Sanierungsbedarf:
– Sanierung der Dachflächen der Trauerhalle und der angegliederten Nebengebäude
– Austausch von Fenster- und Türelementen (insb. Trauerhalle)
– Erneuerung der Toilettenanlagen und Herstellung der Barrierefreiheit
– Überarbeitung aller Außenfassaden
– Sanierung der Sanitär-, Elektro- und Heizungstechnik
– Renovierung des Innenbereiches der Trauerhalle einschließlich Erneuerung des Fußbodens

Die Trauerhalle, einschließlich der ersten vier Leichenzellen, ist seit 2004 abgeschrieben.
Der nachträglich errichtete Anbau mit den Kühlzellen sowie die in 1975 erbauten Garagen haben aktuell noch einen geringen Restbuchwert.
Die Räumlichkeiten für die Mitarbeiter*innen entsprechen nicht mehr den betrieblichen und arbeitsschutzrechtlichen Anforderungen. Der gesamte Gebäudekomplex weist ein unzureichendes äußeres und inneres Erscheinungsbild auf und wirkt sich negativ auf den Gesamteindruck des Hauptfriedhofes aus, auf dem jährlich 320-350 Beisetzungen stattfinden. Die Trauerhalle wurde von Angehörigen in den vergangenen Jahren immer weniger in Anspruch genommen (jährlich noch 80-100 Nutzungen). Sie kann dem Bedürfnis der Trauernden nach einer würdigen Abschiedsstunde nicht gerecht werden.
Der Arbeitskreis „Bestattungswesen“ ist nach einer Besichtigung der Trauerhalle und anschließenden Beratungen zu dem Ergebnis gelangt, dass ein Neubau dringend erforderlich ist, um sowohl den Belangen der Trauernden als auch der Mitarbeiter*innen gerecht zu werden. Auch aus Sicht des Amtes für Gebäudewirtschaft ist eine Sanierung bzw. Instandsetzung des Gebäudekomplexes und der darin vorhandenen Technik wirtschaftlich nicht darstellbar.
Dieser Erkenntnis folgend haben der ZBH und das Amt für Gebäudewirtschaft gemeinschaftlich ein Gebäudeprofil mit entsprechendem Raumprogramm erarbeitet. Wesentliche Bestandteile sind eine Trauerhalle (für ca. 80 Personen), Sozialräume und Toilettenanlage für ZBH-Mitarbeiter*innen, Aufenthaltsraum für Bestatter*innen und Seelsorger*innen, Kühlzellen sowie eine barrierefreie, behindertengerechte Toilettenanlage die allen Friedhofsbesucher*innen zur Verfügung stehen soll. Die Wärmeversorgung der gesamten Einrichtung soll über eine Luftwärmepumpe erfolgen.
Nach jetzigem Planungsstand betragen die geschätzten Baukosten ca. 1,2 Millionen €, die im laufenden Haushalt unter der Haushaltsstelle: 13.03.02/1332.7851201 „Sanierung von kommunalen Trauerhallen“ veranschlagt sind. Darin enthalten sind auch die Kosten für die Inanspruchnahme eines externen Architekturbüros zur baulichen Umsetzung der dargestellten Entwurfsplanung (Leistungsphasen 4 bis 9) sowie die erforderlichen Ingenieurleistungen. Die Herrichtung der Außenanlagen erfolgt durch den ZBH in Eigenregie. Mit der Umsetzung der Maßnahme soll in 2019 begonnen werden. Die Inbetriebnahme ist für 2020 geplant.
Bis zur endgültigen Fertigstellung des oben genannten Gebäudeensembles steht die vorhandene Trauerhalle einschließlich der vorhandenen Betriebsgebäude weiterhin vollumfänglich zur Verfügung. Im Anschluss an die Neubaumaßnahme wird das Ensemble bis auf die örtlich vorhandenen Garagen abgerissen. Die hierfür erforderlichen Haushaltsmittel werden ermittelt und für den Haushalt 2020 angemeldet.


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