Radioaktivität im Sickingmühlenbach – Hier die Fakten

Renaturierung des Sickingmühlenbachs
Der Lippeverband plant und bearbeitet bereits seit einigen Jahren den Sickingmühlenbach zu
renaturieren. Diese Maßnahme soll bis 2027 abgeschlossen sein.
Der Sickingmühlenbach ist ein Zusammenfluss des Silvertbachs und des Loemühlenbachs.
Im Bereich gate.ruhr befindet sich eine Halde, die radioaktive Stoffe in den Bach „entsorgt“.
Dies wurde bereits 2001 durch eine Dissertation bekannt. Dort ist zu lesen:
„Durch radioaktiv belastete Grubenwässer aus der Zeche Auguste Victoria sind die Sedimente des
Bachs radioaktiv kontaminiert. Es wurden erhöhte Werte des Radionuklids 226-Radium festgestellt,
die maximal 15.000 Becquerel pro Kilogramm erreichen. Die Ortsdosisleistung über den Sedimenten
erreichte maximal 6000 nSv/h (Nanosievert pro Stunde). Noch im Mündungsbereich des Bachs
wurden Werte von 1700 nSv/h festgestellt; im Erzgebirge mussten Flächen wegen einer ähnlich
hohen Belastung (1730 nSv/h) saniert werden. Direkt unterhalb der Mündung des
Sickingmühlenbachs stieg die 226-Radium-Konzentration der Lippe um das 15-fache an; bis zur
Mündung im Rhein blieben die Dosisleistungen im Uferbereich deutlich erhöht.“
Nach diesen alarmierenden Feststellungen wurde seit 2005 eine zusätzliche Halde mit der
Brinkfortsheide Erweiterung geschüttet. Auch diese Halde führt wieder Wasser in das Bachsystem
ab, in dem Radioaktivität vorhanden ist.
Damit steigt der schon bedrohliche Wert von 2001 noch mehr an. Neue Messungen sind bislang
nicht veröffentlicht worden.
Das NRW Umweltministerium teilte mit, dass bis spätestens 2027 alle Fließgewässer die
ökologischen Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie einhalten müssen.
Wenn 2001 bereits erhöhte Radioaktive Werte des Baches die Lippe bis zur Rheinmündung
kontaminierten, wird sich die Situation im Hinblick auf die Einhaltung der Richtlinie eher noch
verschlechtert haben.

Aus diesem Grund beantragen wir, dass die Verwaltung zu diesem Thema Stellung nimmt
und dabei insbesondere auf folgende Fragen eingeht:

1. Werden seit 2001 weiterhin Messungen der Radioaktivität durchgeführt und mit welchem
Ergebnis?
2. Stellen diese überhöhten Werte ein Hindernis für die Renaturierung des Bachlaufs dar?
3. Soll der renaturierte Bachlauf bzw. der Uferbereich zum Betreten freigegeben werden?
4. Wie sollen die Anwohner über die Gefahren informiert werden?
5. Ist die Verwaltung in Kontakt mit dem Lippeverband und ist die Problematik dort schon bekannt?
6. Kann der Bach überhaupt aus der Bergaufsicht entlassen werden?
7. Wird die RAG als Verursacher Kosten tragen müssen?

Antwort der Verwaltung:

Sachverhalt
Nachfolgend die Beantwortung der 7 Fragen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen betr. die
Renaturierung des Sickingmühlenbaches.

1. Werden seit 2001 weiterhin Messungen der Radioaktivität durchgeführt und mit
welchem Ergebnis?

Seit 2004 werden am Silvertbach und Sickingmühlenbach jährlich Messungen durch die
RAG durchgeführt.
Zusätzlich liegen 2 Gutachten zur Expositionsbetrachtung aus 2004 und für die ökologische
Umgestaltung aus 2016 der Brenk Systemplanung (BS) vor. Die Ergebnisse können
wie folgt zusammengefasst werden:
„Die seit dem Jahr 2004 erhobenen Messdaten zur ODL durch die RAG bzw. durch BS
bestätigen weitgehend die Daten aus BS 04 (= Kurzbeschreibung für das Gutachten der
Ingenieurgesellschaft Brenk Systemplanung GmbH vom 04.05.2004).
Für die derzeitige Nutzung (kein öffentlicher Zugang) behalten somit die in 2004 berechneten
Dosisbeiträge für die Expositionsszenarien ihre abdeckende Gültigkeit. Für
alle Szenarien wurde gemäß der Gefährdungsabschätzung von 2004 festgestellt, dass
unter den gegebenen Nutzungsbedingungen kein radiologisch bedingter Handlungsbedarf
besteht.
Erläuterungen:
ODL =
Die Abkürzung „ODL“ steht für den Begriff „Ortsdosisleistung“. Die Ortsdosisleistung ist
die Messgröße für die effektive Gesamtkörper-Äquivalentdosis an einem bestimmten Ort
pro Zeitintervall. Wobei man unter Äquivalentdosis die Messgröße für die biologische
Wirkung ionisierender Strahlung auf den Menschen versteht. Ihre Einheit ist J/kg mit
dem speziellen Namen Sievert (Sv). Die gemessene Ortsdosisleistung wird in der Einheit
Mikrosievert pro Stunden (μSv/h) angegeben (Quelle: Glossar Bundesamt für Strahlenschutz)
Expositionsszenarien =
Im Gutachten der Brenk Systemplanung Ingenieurgesellschaft von 2004 wurden verschiedene
Betrachtungsvarianten (Expositionsszenarien) untersucht:
„Referenzszenario“ (Ein Kind hält sich 1.000 Stunden/Jahr in der Nähe des Gewässers
auf (mit einer möglichen oralen Aufnahme von kontaminiertem Material).)
Szenario „Fußgänger“ (Ein Erwachsener hält sich 1.000 Stunden/Jahr auf dem Fußweg
außerhalb der Einzäunung auf.)
Szenario „Garagenvorplatz“ (Ein Kind hält sich rund 1.000 Stunden/Jahr auf dem
Garagenplatz direkt am Zaun zum Silvertbach auf)
2. Soll der renaturierte Bachlauf bzw. der Uferbereich zum Betreten freigegeben
werden?

Wie unter Pkt. 7 beschrieben, sind die diesbezüglichen Planungen auch aus wasserwirtschaftlicher
Sicht noch nicht abgeschlossen.
3. Wie sollen die Anwohner über die Gefahren informiert werden?
Nach den Ergebnissen des aus 2004 vorliegenden Gutachtens und den darin enthaltenen
Expositionsabschätzungen ist derzeit von keiner akuten Gefahren-situation auszugehen
(vgl. Punkt 1). Für die ökologische Verbesserung wird nach Abschluss der Planung
eine Genehmigung beantragt. Im Rahmen eines möglichen Planfeststellungsverfahrens
wird durch die Genehmigungsbehörde eine Beteiligung / Anhörung erfolgen.
4. Ist die Verwaltung in Kontakt mit dem Lippeverband und ist die Problematik dort
schon bekannt?

Ja.
5. Kann der Bach überhaupt aus der Bergaufsicht entlassen werden?
Der Silvertbach und der Sickingmühlenbach sind Verbandsgewässer des Lippeverbandes
und unterliegen nicht der Bergaufsicht.
6. Wird die RAG als Verursacher die Kosten tragen müssen?
Die Verursachung von Schäden an den Gewässern ist jeweils durch den Verur-sacher
zu tragen (Verursacherprinzip).
7. Stellen die überhöhten Werte ein Hindernis für die Renaturierung des Bach-laufs
dar?

Die ökologischen Verbesserungen des Silvertbaches und des Sickingmühlen-baches
sind möglich. Für die Varianten des Umbaus sind jedoch neben den Betrachtungen der
Expositionspfade auch die wasserwirtschaftlichen Rahmenbe-dingungen noch zu prüfen.
Die Planungen sind derzeit noch nicht abgeschlossen. Bei einer ökologischen Umgestaltung
mit möglicher Nutzungsänderung ist jedoch davon auszugehen, dass enthaltene
Belastungen in der Gewässertrasse entfernt und einer ordnungsgemäßen Entsorgung
zugeführt werden müssen. Der Lippe-verband untersteht diesbezüglich der zuständigen
Strahlenaufsichtsbehörde (BezReg Arnsberg).

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