Sachstandbericht – Eichenprozessionsspinner 2019

Die Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea, im Folgenden auch EPS genannt) sind einheimische Nachtfalter, die lange Zeit nur lokal für Probleme sorgten. Die Tiere halten sich gern in warm-trockenem Klima auf. In den vergangenen Jahren haben sich die Tiere immer stärker in Deutschland und bei seinen Nachbarn ausgebreitet.
Unangenehm für Mensch und Tier sind die Brennhaare der Raupen, sie lösen allergische Reaktionen aus. Die Raupen häuten sich während ihrer Metamorphose sechs Mal, ab der dritten Häutung enthalten die Brennhaare das Nesselgift Thaumetopoein. Die Haare bleiben aufgrund von Wiederhaken an Körper und Kleidung hängen und werden so z.B. mit ins Haus getragen.
Auch im laufenden Jahr 2019 war der Eichenprozessionsspinner von Mai bis August in Marl aktiv.

Übersicht Auftreten Eichenprozessionsspinner in Marl 2019:

Von den ca. 20.000 städtischen Bäumen wurden mit erheblichen Aufwand etwa 6.500 Bäume begutachtet (mind. 500 Arbeitsstunden).
Dabei wurde in Marl an etwa 1200 Bäume ein Befall festgestellt bzw. gemeldet und anschließend mechanisch behandelt. Hierbei waren pro Baum ca. 4,7 Nester zu verzeichnen.

Zum Vergleich: in 2018 wurden ca. 1300 Bäume mechanisch bearbeitet mit im Schnitt 4 Nester pro Baum.
Wie in den Jahren davor ging der ZBH dabei nach einer Prioritätenliste von 1 bis 4 vor.

Diese Liste gestaltete sich wie folgt:

Priorität 1: Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Spielplätze

Priorität 2: Unmittelbare Umgebung von Prio 1, wie etwa Schulwege oder sehr stark Frequentierte Stellen im öffentlichen Raum

Priorität 3: Stellen mit erhöhtem Verkehrsaufkommen, vor allem an Fußgänger und Radfahrer

Priorität 4: Weitere Stellen

Dabei sollte erwähnt werden, dass sehr viele Bäume (mehr als in den vorherigen Jahren) von Bürgerinnen und Bürgern gemeldet wurden (telefonisch wie auch per digital per EMail).
Ein weiteres Phänomen, was erstmalig in 2019 auftrat, war der wiederholte Befall ein- und derselben Bäume über einen sehr kurzen Zeitraum, was vor allem bei Priorität 1-Stellen auffiel. (Beispiel: Harkortschule, Priorität 1,4-mal befallen davon alleine dreimal innerhalb einer Woche) Spritzaktion des ZBH gegen den Eichenprozessionsspinner.

In diesem Jahr steuerte der ZBH versuchsweise mit einer Spritzaktion gegen die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners. Dabei wurden ca. 70 Bäume auf der Langehegge prophylaktisch mit dem natürlichen Fresshemmer Neemprotect behandelt. Bei diesem Mittel handelt es sich um den natürlichen Extrakt eines Mangrovenbaumes, was mittels Sprühdüse auf die Blätter der Eichen aufgebracht wurde. Ziel der Aktion war es, dass die Raupen des Eichenprozessionsspinners die mit Neemprotect benetzten Blätter der behandelten Bäume fressen. Das Mittel schädigt den Verdauungsapparat der Raupen, so dass diese vor dem Erreichen des für Mensch und Tier gefährlichen dritten Larvenstadiums absterben.

Auswertung prophylaktische Spritzaktion des ZBH gegen den Eichenprozessionsspinner:

Nach heutigem Stand (27.08.2019) hat die Prophylaxe an den behandelten Bäumen gewirkt. Von den 70 behandelten Bäumen waren lediglich sieben leicht befallen und ausnahmslos alle Raupen an diesen Bäumen waren noch recht klein, nur mit wenig weißen Brennhärchen ausgestattet und tot.
An der Vergleichsstrecke an der Langehegge stehen 88 Bäume, von denen 61 Bäume Befall in nahezu allen Entwicklungsstadien aufwiesen.

In Zahlen

Behandelte Bäume 70 davon befallene Bäume 7

Unbehandelte Bäume 88 davon befallene Bäume 61

Fazit prophylaktisches Spritzen:
Die Eindämmung des EPS durch prophylaktisches Spritzen hat gut funktioniert.
Zu beachten ist, dass sowohl zum Zeitpunkt der Behandlung (trocken, windstill) als auch 24h davor (trocken) und 48h danach (trocken, nicht zu heiß) nahezu optimale Witterungsbedingungen herrschten.

Übersicht Kosten 2019:

Für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinner entstanden 2019 insgesamt Kosten in Höhe von 158.000,00 €.

Ausblick 2020

Auch in 2020 rechnet der ZBH mit einem Auftreten des EPS. Dabei ist zu beachten, dass die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners stark witterungsabhängig und daher recht schwer zu prognostizieren ist.
In 2020 soll, über den planmäßigen Einsatz des mechanischen Absaugens hinaus, die Prophylaxe erweitert werden. Hierfür sollen ca. 250 Bäume an kritischen Stellen (Priorität Stufe 1) mittels Fresshemmer-Benebelung behandelt werden (geschätzte Kosten ca.
24.000,00€ bis 33.000,00 €).
Zusätzlich wird organisatorisch mit weiteren Städten im Kreis ein „runder EPS-Tisch“ zum Informations-Austausch und der Bekämpfung angestrebt.
Bereits in 2019 wird ein Versuchsprojekt in Kooperation mit dem NABU gestartet, bei dem an ausgewählten Plätzen Vogelnistkästen aufgehängt werden sollen. In diesen, so hofft man, sollen diverse Vogelarten einziehen, vornehmlich Meisenarten, die als natürliche Fressfeinde des Eichenprozessionsspinner vor dem 3. Larvenstadium gelten. Der ZBH hat diesbezüglich bereits 100 Vogelnistkästen besorgt.
Darüber hinaus wird der ZBH eine Eichenprozessionsspinnerfalle testen, welche die Tiere mittels Hormonfalle in einen Beutel am Stamm der Eichen locken soll. Auch hier werden erstmal ausgesuchte Bereiche testweise ausgewählt. Der Versuch wird von Mitarbeitern des ZBH begleitet und ausgewertet.
Zusätzlich wird es zur Information der Bürgerinnen und Bürger, sowie Feuerwehr, Lehrerinnen und ErzieherInnen eine Infobroschüre des ZBH zum Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner in Papierform und zum Download geben. Der ZBH geht wieder von einer leicht rückläufigen Population aus, weswegen sich die Kosten für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners auch 2020 etwa im Bereich von 130.000,00 € bewegen dürften.

Verwandte Artikel